Schlagwort: digital garden

  • Eine Gesellschaft aus Leuchttürmen

    Dass es wenige Leute gibt, die etwas bestimmtes bauen, liegt wahrscheinlich daran, dass diese Idee, dass etwas bestimmtes zu bauen ist, meistens nicht wiederholt werden kann, weil sie natürlich auftritt.

    Sagen wir es so: um etwas zu bauen, muss man daran interessiert sein. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Wer etwas bauen will, muss die richtige Mischung aus Natur (Umwelt) und Erziehung (Eignung) sein. Die Mischung muss nicht punktgenau stimmen, sie muss eher so stimmen, dass man mit einer Sache sowohl vertraut werden kann, als auch dieses Vertrauen vertiefen kann. Die Fragen nach den richtigen Werkzeugen und Ressourcen stellen und beantworten sich dann von alleine: meistens sind es die, die man hat.

    Und wenn man jemand ist, der etwas bestimmtes bauen will, dann reichen diese Mittel dann auch. Nicht weil sie wirklich reichen, sondern weil man selten bessere Mittel hat. Vielleicht liegt darin der Reiz am Bauen von Dingen: das Wissen, dass man nicht unter perfekten Bedingungen baut. Oder vielleicht liegt für jemanden der Reiz woanders. Dass man etwas baut, dass es noch nicht gab. Wie diese Website hier, oder diesen Artikel. Das kann auch reizvoll sein.

    Ich aber denke, dass jemand, der etwas bauen will, das selbst dann tut, wenn ihm niemand zuschaut. Wenn es keine soziale Komponente dazu gibt. Keine Vorlesung, in der man schweigen, auftrumpfen, und scheitern kann. Keine sozialen Räume, in der darüber entschieden wird, ob und wer man ist, meistens durch andere, meistens durch das Verinnerlichen der Urteile anderer.

    Ich halte Menschen, die etwas bauen, für gänzlich selbstgenügsam. Wie die Biologin in VanderMeers Buch Auslöschung, die sich mit stundenlang mit Gezeitentümpeln befassen kann. Auf den ersten Blick scheint sie ja nichts zu bauen, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne, aber dann auf den zweiten Blick merkt man dann doch, dass sich da jemand Notizen macht, sich Gedanken macht, neue Gedanken baut.

    Was wäre diese Biologin gewesen, wenn es keine Biologie für sie zum Studieren gegeben hätte? Diese Frage lässt sich beispielsweise nicht beantworten. Menschen sind nicht wiederholbare Ereignisse, genausowenig wie Geschichte wiederholbar ist. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass Menschen nicht‑wiederholbare Ereignisse sind.

    Wenn also jemand, wie beispielsweise Tracy Durnell in ihrem hervorragenden Artikel über Hypertext schreibt, sich dafür interessiert, etwas aus Hypertext zu bauen, dann macht es diesen Menschen zu etwas besonderem, eben weil dieses Interesse und dieser Mensch nicht‑wiederholbare Ereignisse darstellen.

    Dabei sollte ich nicht so falsch verstanden werden, wie mich mal ein Jugendfreund missverstand, als er mir unterstellte, dass ich mich für etwas besonderes hielte, während alle anderen um mich herum nichts besonderes wären: ich halte Menschen generell für individuell besonders, aber eben auch voneinander verschieden. Dass besagter Jugendfreund dabei von einer Hierarchie ausging, mit den besonderen oben und den weniger besonderen unten, überrascht mich bis heute, in meiner Erinnerung.

    Wenn ich also daran denke, wie oft ich davon lese, dass das Old Web zu verschwinden droht, wie Social Media‑Websites keine Links haben wollen, die ins Draussen führen, dann fällt mir–nach dem Schreck, den solche Artikel vermitteln–wieder ein, dass die Leute, die überhaupt dazu in der Lage sind Hypertext zu schreiben und dann auch noch Hypertext bauen wollen, sehr wenige sind.

    Und fast keiner von uns schätzt die Vorlagen, mit denen man auf Social Media‑Websites bauen solle. Natürlich stirbt das Old Web. Die Leute, die es bauen, sind eben auch nicht‑wiederholbar. Ich gehe aber noch weiter: dass es mitsamt denen, die es bauen wollen, verschwinden kann, macht es erst wertvoll, zu etwas besonderem, zu etwas lebendigem—es ist sterblich.

    Natürlich stirbt das Old Web. Die Leute, die das nächste Old Web dann bauen, weil sie damit aufgewachsen sind, darüber gelesen haben, danach gesucht haben, und deren Neugier dazu führte, dass sie sich damit vertraut machten und dieses Vertrauen ihrerseits vertieften, sind völlig andere Menschen, werden völlig andere Menschen gewesen sein werden, als die, die etwas zuerst, als zweites, als drittes usw. gemacht hatten. Eine Gesellschaft aus Leuchttürmen entsteht, immer wieder, immer wieder anders.

    Und Social Media‑Websites sind halt nichts für Leute, die gerne ihre eigenen Webs bauen. Pros are not on Facebook.

  • Design-Links

    Inspiriert von der wirklich beeindruckenden Linkliste zu und über Typografie von Rosalie Wagner, kam ich jetzt auch und endlich dazu, meine eigene Linkliste als Seite zu veröffentlichen.

    Wie die meisten von uns wissen, lief das Projekt grafikdesignfeed.de fast zwei Jahre lang und nach dem Ende des Projekts (für das es immer wieder Lob, auch von den überraschendsten Stellen gab), wollte ich die Arbeit, die wir damals reingesteckt hatten, nicht einfach effektlos verpuffen lassen, also behielt ich die angesammelten Links zu Websites, Podcasts und Magazinen in meinem Archiv.1

    Ich wusste, dass nach genügender Reifezeit diese Liste aus Feeds wieder ihren Weg zurück auf die Displays finden würde. Ich hoffe, dass diese Liste aus Design‑Links auch anderen nützlich sein wird, auch weil ich hoffe, dass es Feedback zu ihr geben wird.

    Ich denke, ich verbringe den Rest des Sonntags damit, die Liste noch weiter zu vervollständigen, damit den eigenen Nachforschungen nichts mehr im Wege steht.

    1. Darüber, wie man seine eigene Version von grafikdesignfeed.de erstellen kann und was man dazu noch so braucht, schreibe ich in einem kommenden Artikel. ↩︎
  • Blog‑Roll ist zurück!

    Ich wusste, dass ich neben meiner Design‑Liste auch eine Blog‑Roll haben wollte, und bisher dachte ich, dass ich dort nur die Leute haben will, die ich schon kenne.

    Weil ich das früher so gemacht hab.

    Aber eigentlich will ich da Leute drin haben, die ich selbst einfach cool finde, und wie swissmiss hier schreibt, wollen wir alle einfach wieder eine Blogroll haben, weil, wie ich finde, das Netzwerk einfach fehlt.

    Ich will ja gar nicht, dass jemand von einem meiner Links da draußen dann in meinem Digitalen Garten landet und dann nur noch zurück oder den Tab schließen kann. Tatsächlich glaube ich, dass die Leute, die wir cool finden, auch etwas sind, das jemand cool finden könnte, der uns ganz ok fand.

    Und weil ich für Hyperconnectedness bin, kommen da in der Sidebar jetzt ein paar Namen zusammen.

    Ich frage mich auch, ob die sogenannten Trackbacks überhaupt noch verwendet werden? Ich kann mich erinnern, dass ganz viele Leute darunter litten, dass sie Spam bekamen, also haben viele die Schnittstelle einfach gekappt. Ich sehs so: manchmal muss man halt auch im Garten jäten, weil es dazu gehört.

    Denn am Ende kommt dabei eine wohl‑kuratierte Website heraus, in deren Details womöglich etwas schönes entdeckt werden kann?

  • Nach dem Bachelor: Vertiefung der Grundlagen

    Ich war nicht untätig in der Zwischenzeit und habe mich mit mehreren Projekten auseinandergesetzt, deren Funktionen für mich zu meiner Arbeit dazugehören.

    Unter anderem erstellte ich eine sogenannte Social Media Wall, eine Art durchsuchbaren Archivs meiner eigenen Postings und Veröffentlichungen auf Social Media‑Plattformen wie Instagram, Tumblr (wo ich zwecks eines bestimmten Projektes gerade sehr aktiv bin; dazu unten ein wenig mehr) und X, ehemals Twitter (oder bald wieder Twitter?). Diese Wand ermöglicht es auf einen Blick und ohne ein Einloggen sich einen Eindruck dessen zu verschaffen, was sonst über viele Kanäle und viele Webseiten verteilt stattfindet: der Urheber bin und bleibe schließlich ich selbst.

    Diese Social Media Wall heilt damit die Fragmentierung durch verteilte Kanäle, ohne dabei mir selbst im Weg zu stehen. Wer mehr dazu erfahren möchte, darf mich gerne dazu kontaktieren, oder hier selbst stöbern gehen.

    Die Auseinandersetzung mit Grafikdesign nach dem Bachelor im März (den ich übrigens bestanden habe, und das gar nicht einmal schlecht) führte mich auf eine gewisse Weise sowohl in die Vergangenheit des Grafikdesigns, als auch in die Zukünfte dieser Arbeit. Einerseits erwuchs bei mir aus dem Bedürfnis nach Vertiefung des im Studium gelernten eine Art der Rekapitulation des Studiums, jedoch auf dem Fundament des bereits Gelernten: ich erstellte mir einen eigenen Stundenplan für mein Werken, welchem nunmehr meine nahezu völlige Abwesenheit auf Social Media geschuldet ist.

    Nahezu deswegen, weil ich aus meinem ehemals noch richtungslosen Blog auf Tumblr ein eigenes Projekt namens Code & Canvas gemacht habe, dessen Titel für mich Programm ist: Grafikdesigner stellen für mich eine Mischung aus Analog und Digital dar, die ich so nirgendwo sonst vorfinde, wobei diese beiden Hälften einander um das vielfach erweitern können, was sie selbst aus sich heraus nicht könnten.1 Für mich erzielen also beispielsweise eingescannte oder fotografierte analoge Arbeiten genau den gleichen kaum zu benennenden Effekt, wie es digitale Arbeiten vermögen, die sich der Skeuomorphie oder Wirklichkeitsnähe verweigern.

    Und um bei meiner vertiefenden Arbeit in Labor und Werkstatt (welche dabei weniger Orte im Raum, sondern Orte im Bewusstsein und Orte der Arbeitsweise sind, ähnlich wie Theorie und Praxis zueinanderstehen) nicht den Kontakt und vor allem den Sinn für Gemeinschaft mit anderen Gestaltern ganz zu verlieren, verwende ich Code & Canvas als mein After‑Hours Blog.

    Dort poste ich meine Fortschritte, meine Rückschläge, und alles das, was ich so interessant finde von jenen Postings, die andere in meinem Umfeld dort und anderswo tun.2 Ohne das machen zu müssen, was am Ende dann durch andere benotet wird, entsteht für mich so eine sehr freie Arbeitsweise, bzw. eine Arbeitswiese.

    Wie einer meiner Professoren in meinen Worten sagen würde: nicht immer die erste Ausfahrt auf der Autobahn der Kreativität nehmen!

    Damit erkläre ich meine Website als wieder online. Bleiben Sie gespannt!

    Geschrieben aus meinem Pseudo‑Sabbatical.

    1. Das Sideblog wurde mittlerweile umbenannt, siehe dazu https:­//­www.­mariobreskic.­de/­update-­003-­change-­notes-­20-­01-­2025/ ↩︎
    2. s.o. ↩︎