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Social Media ist ein Job

Social Media ist ein Job, für den ich nicht bezahlt werde und an dem ich selbst überhaupt keine Freude finden kann.

Wir sind nicht TV

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Studentisches Logbuch

Bist du auf Insta..?

Eines vorweg: ich komme mit Social Media nicht klar. Um eine typische Gegenfrage von mir auf die Frage im Titel anzubringen

Welches Du meinst du?

Mario Breskic, gleich mal provozierend auf Smalltalk reagiert

Das ist jetzt nicht klug geschissen, sondern genau der Grund weswegen ich mit Social Media nicht klar komme: wer bist du, wer bin ich, für wen hältst du mich und, vor allem, ist mir das wichtig?

Das ist zwar alles von einer Person, aber das könnten auch sechs verschiedene Personen sein. Screenshot meines Instagram-Accounts

Sagen wir mal Ja zu allen Antworten. Dass das nicht als Antwort einfach so passt, aber alte Zen-Meister zum Lachen bringen könnte, ist spätestens bei „Wer bist du?“ und „Ja“ klar.

Ich meine damit aber, dass ich wenigstens irgendeine Antwort habe. Wer bin ich im Kontext von Social Media?

Ein Grafikdesignstudent? Ja, schon. Ein Koch? Ein Tänzer? Hast du ne Gitarre? Moment, ja, häh?, warum hast du Milliarden an Hobbys!?

Wer meine mehr als zwei Social Media-Accounts kennt (und ich diene hier nur zur Abschreckung), der überblickt das Problem mit einem Daumenwischer: oversharing ze kitchen-sink, auch bekannt als ich poste was ich gerade mache, und das meist ohne weiteren Plan.

Warum das scheiße ist (warum ich es bei mir scheiße finde, es gibt Leute bei denen geht das prima, zumindest sind ihre Texter gut), ist weil so niemand, aber auch wirklich niemand angesprochen wird.

Warum niemand? Weil, und hier wird es wieder irgendwie irre zen, weil niemand außer mir ich ist. Ich bin? Ich bist? Um das geil zu finden, was ich auf Instagram beispielsweise bis vor Kurzem so machte, müsstest du

  • Grafikdesign studieren oder
  • irgendwas mit Medien und
  • Katzencontent lieben und
  • Hobbykochbilder und
  • mystisch angehauchte Makros und
  • auf total welterschütternde Texte stehen, die ich schon in zwei Tagen selber hinterfrage, und
  • Schachtelsätze, sowie
  • permanentes Löschen supi finden.

Das beschreibt nur mich und niemanden sonst. Aus der Perspektive der armen Leute betrachtet, die mir auf Instagram und anderswo seit der Frage im Titel folgen, folgten sie mir aus einem bestimmten Grund. Wenn ich also manchmal etwas poste, das diesem Grund entspricht, dann deckt sich das mit ihrer Erwartung. Und wenn ich etwas völlig anderes poste, dann liefere ich Gründe es zu bereuen mir zu folgen. Denn wir alle unterhalten unsere Freunde, Feinde, unser Publikum. Und wenn sich dieses Publikum langweilt, dann macht man was falsch.

Ja! Dieses von 49 möglichen Ichs hat einen Insta! Bildausschnitt aus „Texten können“ von Daniela Rorig

Und wenn ich etwas falsch mache, dann such ich mir ein Buch. Und wenn dieses Buch dann auch noch zu meiner eigenen Sekundärliteratur zu Sprache und Kommunikation wird, yeah, dann tritt an die Stelle des Klugscheissers jemand, der weiß für wen er „wer“ ist.

Ich selbst habe mir deswegen ein Jahr Auszeit von Social Media genommen: zum einen um eine Persona zu entwickeln, die passt. Zum anderen aber auch, um von der zwanghaften atomkleinen Berichterstattung aus meinem Leben wegzukommen. Weil das nur Stalker interessant finden.

Ok, vielleicht komm ich ein Bisschen mit Social Media klar. So viel, dass ich Fehler bei mir erkennen kann und diese auch loswerden will.

Ich gelobe Besserung.